Aachen, 21. September 2018

Äthiopien und Eritrea brauchen Unterstützung

(Aachen, 21. September 2018) MISEREOR fordert die Bundesregierung auf, den Friedensprozess zwischen den einst verfeindeten Ländern Äthiopien und Eritrea großzügig zu unterstützen. "Nach der Öffnung der Grenzen sind die Euphorie und Bewegung vor Ort groß. Menschen vergleichen diese Erfahrung mit dem Fall der Berliner Mauer", sagt MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. Er konnte sich vor wenigen Tagen gemeinsam mit dem für MISEREOR zuständigen Freiburger Erzbischof Stephan Burger im Grenzgebiet von Eritrea und Äthiopien ein Bild von der aktuellen Situation machen.

"Nach 20 Jahren der Trennung haben viele Menschen von Eritrea aus die Grenzen überquert und erleben positive Veränderungen", erläutert Spiegel. "Nun muss die internationale Gemeinschaft den Demokratisierungsprozess in Eritrea unterstützen, verbunden mit Hilfe beim Wiederaufbau. Auch muss umgehend geprüft werden, ob die bestehenden Sanktionen gegen Eritrea noch zweckmäßig sind und entsprechend angepasst oder aufgehoben werden. Eine weitere Herausforderung für Eritrea und Äthiopien sei überdies die Zukunft tausender Soldaten, die bisher an beiden Grenzen stationiert waren.

Von Feindseligkeit keine Spur

Spiegel und Burger erlebten vor Ort, wie sehr die Begegnung von Menschen aus beiden Ländern sich positiv auswirkt. "Feindseligkeit war nirgendwo zu spüren oder zu sehen. Menschen weinten vor Freude und suchen nun wieder den Kontakt zu Verwandten auf der anderen Seite der Grenze. Dieser Frieden ist wirklich von den Menschen gewollt und hat damit gute Aussichten, dauerhaft bestehen zu bleiben", so Spiegel. Beide Länder seien aufeinander angewiesen. Äthiopien, ein Land ohne Meerzugang, benötige zum Beispiel dringend mehr Kapazitäten in Häfen und sei daher sehr daran interessiert, die entsprechenden Anlagen in den eritreischen Küstenstädten Massawa und Assab zu nutzen. Eritrea könne davon wiederum wirtschaftlich profitieren und zusätzliche Arbeitsplätze gewinnen.

Spiegel resümiert: "Die beginnende Versöhnung zwischen Eritrea und Äthiopien ist mit großen Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für die Bevölkerung beider Länder verbunden. Lassen wir diese Menschen nun nicht allein und unterstützen den Prozess von Wiederannäherung und Entwicklung mit Engagement und Tatkraft."

MISEREOR fördert aktuell in Äthiopien über dortige Partnerorganisationen 29 laufende Projekte mit einem Finanzvolumen von mehr als 7,8 Millionen Euro. In Eritrea werden von dem Werk für Entwicklungszusammenarbeit derzeit zwei Projekte mit rund 360.000 Euro unterstützt.

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